Kunst & Kultur

Geliebte Lotte

Foto: djd/Tourist-Information Wetzlar/Karlheinz Schuhmacher

In Wetzlar nahm eine weltberühmte Liebesgeschichte ihren Lauf

Charlotte Buff und Johann Wolfgang von Goethe gelten als das Traumpaar der deutschen Literatur. Er traf sie 1772 bei einer Tanzveranstaltung und war sofort hingerissen von ihrem Aussehen und offenen Wesen. Doch leider war die 19-Jährige bereits verlobt. Und so hatte der heftig verliebte Goethe das Nachsehen. Sein ebenso intensives wie aussichtsloses Werben verarbeitete er 1774 in seinem Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“, der zu den Klassikern der Weltliteratur gehört.

Liaison im Lottehaus
Die unglückliche Liebesgeschichte zwischen dem Dichterfürsten und der jungen Charlotte nahm ihren Lauf im Hause der Eltern Buff in Wetzlar. Als außergewöhnliches Museum mit historischen Möbeln, Gemälden, Handschriften und Haushaltsgegenständen der Familie erlaubt das „Lottehaus“ heute einen Einblick in die bürgerliche Welt des 18. Jahrhunderts. Drei Räume im Museum sind Goethes literarischem Werk gewidmet und zeigen verschiedene Fassungen und Exemplare des „Werther“, Streitschriften, Parodien und Nachahmungen.

Führungen in historischen Gewändern
Neben dem Besuch des Lottehauses werden unter www.wetzlar.de weitere Angebote vorgestellt, bei denen man auf Goethes Spuren wandeln kann. Besonders zu empfehlen sind die Kostümführungen, die zu festen Terminen stattfinden; Gruppen können eigene Besichtigungen im Voraus buchen. Fast schon Tradition dabei hat das „charmante Scharmützel“: Theresa Gehring als Lotte und Jörg Naumann als Goethe gehen mit einem Augenzwinkern der Frage nach, wie es nach der Liaison mit dem stürmischen Dichter weiterging und wie das weitere Leben der Amtmannstochter aus dem Deutschordenshof verlief. Ganz neu dagegen ist die Kostümführung „Der Geisterbeschwörer“. Der Rundgang durch die engen Gassen und über die alten Friedhöfe beruht auf den historischen Ereignissen, die sich im November 1777 zutrugen: Der Jurist und Dichter Anton Matthias Sprickmann wird von seiner Regierung an das Reichskammergericht entsandt, wo ein Verfassungsstreit des Hochstifts Münster verhandelt wird. Sprickmann ist ein großer Goetheverehrer und kämpft mit sich, ob er nicht eher Dichter als Jurist werden möchte wie sein großes Vorbild. Schnell wird seine Goetheobsession zum Stadtgespräch. So weit die Fakten – doch natürlich kommen auch die Unterhaltung und der Humor beim einstündigen Rundgang nicht zu kurz.

Redaktion: djd