Bayern Reise & Erholung

Starnberger Seensucht

Foto: © Stephanie Kreuzer

Nicht zuletzt bei Sissi-Fans schlägt das Herz ein bisschen höher, hat doch die spätere Kaiserin Elisabeth von Österreich und Königin von Ungarn in Possenhofen ihre Kindheit verbracht. Der Starnberger See in Oberbayern ist jedoch – auf traurige Art und Weise – auch mit einer anderen royalen Persönlichkeit eng verknüpft: 1886 ertrank hier König Ludwig II. Heute aber ist der fünftgrößte See Deutschlands vor allem als Ausflugsziel und Erholungsgebiet beliebt. Die relativ flache Umgebung lädt ein zum Wandern und Radfahren, eine rund 50 Kilometer lange Rundstrecke führt um den See herum. Auf dem Wasser selber lässt sich rudern oder segeln, und viele frei zugängliche Stellen mit flachem Uferverlauf laden zum Baden ein.

Schwimmen könnte man eigentlich auch zur Roseninsel, übrigens die einzige Insel im See, ist sie doch nur rund 170 Meter vom nordwestlichen Rand des Sees entfernt. Aber einem kostbaren Schatz zuliebe, der sich unter der Wasseroberfläche verbirgt, sollte man das nicht tun. In der Uferzone finden sich nämlich Überreste von bis zu 5000 Jahre alten, prähistorischen Pfahlbauten, von Schlick und Sand bestens konserviert, daher dürfen sie nicht mit Füßen getreten werden. Bojen und Hinweisschilder markieren diese Zone des UNESCO Weltkulturerbes. Außerdem ist es sowieso viel romantischer und stilechter, sich mit einem speziellen Holzboot übersetzen zu lassen. Dieses hier, knapp zwölf Meter lang, hat sogar einen besonderen Namen – Zille – und wurde über 30 Jahre lang von demselben Fährmann betrieben. In der vierten Saison nun haben die beiden „Gondolieri“ Bernhard Zillner und Stefan Seerieder, die sich mit ihrer Tätigkeit als Fährleute einen Lebenstraum erfüllt haben, das Ruder fest in der Hand. Gemütlich tuckernd geht es also vom Glockensteg im Feldafinger Park hinüber zur Roseninsel. Ein Weg, den in jeder Saison auch Dutzende Hochzeitsgesellschaften zurücklegen, denn auf dem kleinen Eiland kann geheiratet werden.

„Ein ganz besonderer Ort, der Magie und Ruhe ausstrahlt“ – dieser Meinung sind nicht nur die beiden Fährmänner. Die wenigen Minuten der Überfahrt nutzen sie jedenfalls, um ihre Gäste auf die Idylle einzustimmen und ein paar Anekdoten zum Besten zu geben. Im Zentrum der etwa 2,5 Hektar kleinen, denkmal- und landschaftsgeschützten Insel fällt der von König Maximilian II. von Bayern angelegte Rosengarten ins Auge – und in die Nase, denn es duftet unwiderstehlich. Um die zum Teil 200 Jahre alten Rosen kümmert sich ganzjährig ein Gärtner, übrigens der einzige offizielle Bewohner des Eilands. Wie viele verschiedene Sorten dort wachsen – die Hauptblüte beginnt im Juni, die zweite Blüte spielt sich im August ab – kann aber selbst eine Expertin, die dort Führungen anbietet und allerlei Wissenswertes erzählen kann, nicht genau sagen. Und eigentlich verwundert es, dass es keinen einzigen Bienenstock gibt, denn das Summen und Brummen ringsum ist schier ohrenbetäubend; die Rosen haben eben nicht nur Optik und Duft zu bieten. Im Hauptgebäude, dem sorgsam restaurierten „Casino“, finden die standesamtlichen Trauungen statt, und natürlich gibt es dort etliche Fotos von Sissi, Ludwig, Maximilian & Co. zu bewundern. Die Hoheiten wussten die besondere Atmosphäre der Insel eben auch schon sehr zu schätzen.

Nur rund acht Kilometer entfernt und in fußläufiger Nähe zum Bahnhof Starnberg-Nord liegt das Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg, das seinen Gästen für eine Erkundung der Region Fahrräder zur Verfügung stellt. Alternativ können bei einem Partnerunternehmen auch vierrädrige motorisierte Schätzchen, von einem 60 Jahre alten Fiat 500 bis hin zu E-Porsches oder Bentleys, ausgeliehen werden; Rundum-Service mit Holen und Bringen inklusive.

Wer dann von einem solchen Ausflug hungrig zurückkehrt, kann sich im Sternelokal Aubergine kulinarisch verwöhnen lassen – oder bei einem Grill-Workshop dem Küchenchef Maximilian Moser über die Schulter schauen. An seinem Herd hat übrigens mit Carina Linnemann die derzeit beste Nachwuchsköchin Bayerns ihre Ausbildung absolviert. Für ein „perfektes Barbecue“ hat er ein paar Tipps auf Lager: „Am allerwichtigsten ist die Qualität, ohne die selbst der beste Koch nichts ausrichten kann.“ Dabei sei es gar nicht entscheidend, ob man auf Holzkohle oder Gas grillt; Letzteres preist er aber als „sehr entspannte Geschichte“. Und er animiert generell zu mehr Mut: „Man muss sich einfach mal was trauen, etwas anderes machen als sonst immer. Dann wird man seine Gäste überraschen können und auch selbst begeistert sein.“ Daher müsse es nicht jedes Mal die Bratwurst oder das Schweinenackensteak sein: „Man kann auch Fisch oder Gemüse ganz toll auf dem Grill zubereiten.“ Selbst ein Dessert lässt sich so zaubern, ob es der geschmorte Apfel oder die gegrillte Ananas ist. Moser empfiehlt einen Pfirsich, gefüllt mit Marzipan, dazu ein Buttermilchespuma für das Quäntchen Säure und Frische. Abrunden lässt sich das Ganze dann in der hauseigenen Bar – inmitten der größten Rumsammlung Süddeutschlands.

Roseninsel www.starnbergersee-info.de/roseninsel
Roseninsel Fährbetrieb www.roseninsel.bayern
Noble & Unique www.nobleunique.com
Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg www.vier-jahreszeiten-starnberg.de
www.aubergine-starnberg.de