Reiseberichte

Die Italienische Provinz Trentino

Genüsse des Valsugana / Foto: ©Stephanie Kreuzer

Vom Wert des eigenen Landes

von Stephanie Kreuzer

Die Rückbesinnung auf die kulinarischen Wurzeln und lokalen Produkte liegt hierzulande gewissermaßen im Trend, nicht zuletzt die Bewegungen für den Klimaschutz tun ihr Übriges. Doch manche Regionen, die von Touristen erst so richtig (wieder)entdeckt werden, haben nie etwas anderes getan. Was also heute so „hip“ und im „Zeitgeist“ wirkt, ist dort in Wirklichkeit nur eine tief verankerte Bodenständigkeit – sicherlich zum Teil auch geboren aus der früheren Not, kaum Zugriff auf andere Nahrungsmittel zu haben. So findet man beispielsweise in der italienischen Provinz Trentino zahlreiche Agriturbetriebe, die Urlaubern einen einfachen, aber trotzdem komfortablen Aufenthalt bieten und ihnen ermöglichen, viele Traditionen, typische kulinarische Genüsse und das ländliche Leben im Einklang mit der Natur näher kennenzulernen.

Ein schönes Beispiel stellt „Maso al Sole“ im Ort Civezzano dar – idyllisch an einem Hang gelegen, mit großartigem Blick über das ganze Tal. Der familiengeführte Hof und Bed & Breakfast-Betrieb zeichnet sich durch seine nachhaltige und umweltfreundliche Architektur aus und bietet seinen Gästen vier modern-designte Zimmer. Respekt vor der Natur und Verringerung der Umweltbelastung stehen hier ganz oben auf der Agenda. Die Inhaberin Stefania hat sich dem ökologischen Landbau verschrieben und verarbeitet in ihrer Küche fast ausschließlich das eigene Obst und Gemüse sowie frische, einheimische Produkte aus biologischer Herstellung. Nicht zuletzt die Marmelade und der Kuchen auf dem Frühstückstisch sind hausgemacht.

Viele Agriturbetriebe bieten ihren Gästen Seminare an, in denen die Herkunft und Verarbeitung der lokalen Produkte näher erläutert wird. So geht es beispielsweise um Kräuter, Salz und Gewürze, Sirup aus Salbei und Zitrone oder die Walnüsse des Bleggio. Unter dem Slogan „Trentino im Glas“ ist ein Projekt auf die Beine gestellt worden, das 16 Bauernhöfe und ihre Workshops vereint, um Gästen die Geheimnisse des Trentiner Geschmacks näherbringen. Eine der Spezialitäten im „Maso al Sole“ ist das Fermentieren von Gemüse, eine althergebrachte Tradition, bei der das Gemüse auf natürliche und damit besonders gesunde Art und Weise eingelegt und konserviert wird. Doch bevor wir loslegen können, geht es zuerst ein paar Schritte den Hang hinab, und schon steht man inmitten von Blumenkohl, Kohlrabi, Lauch, Tomaten und vielerlei mehr. Gemeinsam wird das Gemüse dann auf der sonnenüberfluteten Terrasse geputzt und geschnippelt und mit Salzlake in große Gläser gefüllt. Nach einigen Tagen bei etwa 18 Grad, in denen die Vergärung startet, und zwei weiteren Wochen im Kühlschrank darf probiert werden. Angenehmer Nebeneffekt: Wer häufig unter Verdauungsproblemen leidet, kann seine Darmflora durch den Verzehr von Fermentiertem wieder mit mehr guten Mikroben besiedeln.

Im Valsugana, dem „Tal der Seen“, gibt es zahlreiche weitere regionaltypische Genüsse, ob es der Gries für Polenta, würziger Bergkäse, Radicchio oder Kastanien sind. Eine Besonderheit für Weinkenner ist der flaschenvergorene „Spumante Trento DOC“, ein Schaumwein, der rund 500 Tage lang in etwa 20 Metern Tiefe bei konstanten sieben Grad im Levicosee heranreift, bis er mit der „Methode Champagnoise“ zur Perlage gebracht wird. In der Weinkellerei Romanese gibt man zu diesem Verfahren ausführlich Auskunft.

Sich gerne über die Schulter schauen lassen sich auch die Köche im Schloss Pergine, die zum Nudelmachen einladen. Die imposante Burg auf dem Tegazzo-Hügel stammt – zumindest in Teilen – aus dem 9. Jahrhundert und ist seit Ende 2018 in der Hand einer gemeinnützigen Stiftung, die Hotel und Restaurant betreibt. Von den Zimmern aus bietet sich ein grandioser Blick auf die Ortschaft Pergine Valsugana sowie die Brenta-Dolomiten. Auch Ausstellungen finden hier regelmäßig statt, und beliebt sind Führungen durch die verschiedenen Säle und die Kapelle der Burg sowie den Garten. Gut zu Fuß muss man allerdings sein, denn vom Parkplatz aus müssen viele Treppenstufen überwunden werden, um zur Rezeption – im ehemaligen Thronsaal – und den Gasträumen zu gelangen. Lohnenswert auf jeden Fall auch der steile Abstieg in den Ort, insbesondere wenn eins der vielen Feste stattfindet, die den lokalen Produkten – wie Honig, Mais, Getreide, Wein oder Kastanien – huldigen. Im Oktober ist es das Kürbisfest, das zahlreiche Besucher anlockt und von Kunsthandwerk bis zu kulinarischen Köstlichkeiten ein breites Portfolio bietet.

Weitere Informationen:
•  www.visittrentino.info
•  www.masoalsole.it/de
•  www.castelpergine.it