Ausflugsziele Entlang des Rheins

Eisernes Kunstwerk von Weltrang

Foto: Sayner Hütte / ©Thomas Naethe

Sayner Hütte

Unweit von Koblenz liegt die Sayner Hütte im idyllischen Sayntal. 1769 von Kurfürst Clemens Wenzeslaus gegründet, gehört sie heute zur Stadt Bendorf. Mit einem ausgeklügelten Kanalsystem wurde das Wasser des Saynbachs zur Hütte geführt und trieb Gebläse und Hammerwerke an. Das ehemalige Industrieareal blieb erstaunlich gut erhalten und mit ihm auch eines der einstigen eisernen Wasserräder, deren Schaufeln schon 1830 die spätere Turbinentechnik vorwegnehmen.

Insgesamt entwickelte sich die Sayner Hütte ab 1815 im Besitz des preußischen Staates zu einem herausragenden Innovationszentrum der Gusseisen-Technologie, des Maschinenbaus und des Eisenkunstgusses. So baute man eigens für ein bis dato so noch nie verwendetes Kransystem die historische Gießhalle. Wie eine Basilika konzipiert beherbergte die Halle neben einem Laufkran auch weitere neuste Technik und Maschinen. Mit ihrer vollverglasten Westfassade ist sie noch heute eine architektonische Sensation.

Die Sayner Hütte gehörte mit den königlich-preußischen Gießereien in Berlin und Gleiwitz zu den größten in Preußen. Neben Gebrauchseisen und Teilen für den Festungsbau wurde hier feinster Eisenkunstguss hergestellt, wie Schmuck, Statuetten und Bildnisse. Das außergewöhnlichste Objekt, dass auf der Sayner Hütte hergestellt wurde, war sicher der gusseiserne Schinkelstuhl, der schon 100 Jahre vor dem Bauhaus den Beginn des Designs markiert und hier ganz selbstbewusst mit der Marke „Sayner Hütte“ signiert wurde.

Nach vielen behutsamen Restaurierungsarbeiten kann die Sayner Hütte seit 2017 von März bis Oktober täglich besucht werden. Da die historische Technik größtenteils verloren ging, zeigen heute Drehmonitore mit Augmented Reality, welche Öfen und Maschinen einstmals in der Gießhalle zum Einsatz kamen. Eine multimediale Inszenierung macht einen Abstich erlebbar, also den Moment, wenn der Hochofen das flüssige Roheisen freigibt. Arbeitsgeräuschen und Lichteffekten versetzten dabei die Gäste in die Zeit vor über 150 Jahren zu den Arbeitern in die Gießhalle.

Foto: Bunte Güsse / ©Benedikt Rothkegel

Weitere spannende Einblicke in Geschichte und Technik gibt ein umfangreiches Führungsangebot für Groß und Klein und die Sonderausstellung „Bunte Güsse – die Sammlung ohne Eisen“ zeigt schon einen Vorgeschmack auf das Eisenkunstgussmuseum, das 2022 eröffnet wird. Mit flüssigem buntem Zucker wird in der Sonderausstellung die Technik des Eisengießens gezeigt und erklärt. In Workshops können selbst kleine Kunstobjekte hergestellt werden.

Und auch als kultureller Veranstaltungsort bietet die Sayner Hütte mit Festivals, Konzerte, Messen und einem Weihnachtsmarkt rund ums ganze Jahr ein lohnendes Ausflugsziel.