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Marguerite Friedlaender. Pötte-Putten-Pots.

Foto: ©KMB, Peter Eichler

Lebensstationen einer deutsch-jüdischen Bauhäuslerin

Überraschende Entdeckungen in Dornburg
Wenn vom Bauhaus die Rede ist, denkt man zunächst an moderne Architektur und funktionsorientiertes, geometrisches Design – vielleicht auch an das neue Museum in Weimar und die Dessauer Meisterhäuser. Ein Geheimtipp ist jedoch die Töpferei – und das in zweifacher Hinsicht. Unter den Werkstätten, als eigentlichen Ausbildungs- und Arbeitsstätten der innovativen Weimarer Kunstschule war die Töpferei eine der kreativsten aber auch produktivsten. Diese befand sich jedoch nicht in der thüringischen Residenzstadt, sondern wurde im Marstall der romantisch über der Saale bei Jena gelegenen Dornburger Schlösser eingerichtet. Heute gewährt ein Museum, gleich einer Zeitkapsel, einzigartige Einblicke in diese letzte erhaltene Bauhaus-Werkstatt und schafft ein ganz besonderes Verständnis für die revolutionäre Kunstschule.

Foto: ©KMB

Marguerite Friedlaender- eine deutsch-jüdische Bauhäuslerin
Der wichtigsten weiblichen Absolventin der keramischen Abteilung des Bauhauses widmet sich in einer Sonderschau das Keramik-Museum im nicht weit entfernten Bürgel im Rahmen der Themenjahre zu jüdischem Leben und Kultur in Deutschland und Thüringen. Bis zum 05. September, und nachfolgend im Rokokoschloss in Dornburg bis zum Oktober, sind hier Leben und Werke Marguerite Friedlaenders zu sehen.

Sie entstammt dem emanzipierten, europäischen Judentum und wuchs u.a. in Frankreich, Deutschland und England auf. Am Weimarer Bauhaus legte sie als einzige Frau die Gesellenprüfung in der Keramischen Werkstatt ab. Später übernimmt sie als erste Töpfermeisterin die Leitung einer Hochschulwerkstatt, an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Hier schafft sie mit der „Halleschen Form“ für die KPM Ikonen des Porzellandesigns. Eine jähe Zäsur bringt die Machtergreifung der Nazis. Sie muss die Kunstschule und Deutschland verlassen und baut in Putten bei Amsterdam eine Töpferei auf. 1940 die nächste Emigration: Aus dem nun besetzten Holland in die USA. Hier prägt sie die moderne amerikanische Keramik entscheidend mit. Die Ausstellung gibt in bisher noch nie gezeigter Weise spannende Einblicke in die vier Lebensstationen Friedlaenders und präsentiert dabei auch bisher nicht öffentlich ausgestellte Stücke privater Leihgeber.

Keramik-Museum Bürgel – vielfältige Töpfergeschichte von blau-weiß bis Jugendstil
Auch neben der Sonderausstellung zu Marguerite Friedlaender lädt das Keramik-Museum Bürgel ein, die Schönheit des Töpferhandwerks vom Steinzeug bis zum „blau-Weißem“ zu erleben. Das einzige Spezialmuseum für Keramik in Thüringen wurde schon 1880 als Mustersammlung gegründet. Dokumentiert wird die Geschichte des Töpferhandwerks in Bürgel von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Einen besonderen Höhepunkt bildet dabei die Jugendstil-Keramik Henry van de Veldes.

Foto: © KMB

Keramik-Museum Bürgel
Am Kirchplatz 2
07616 Bürgel

Öffnungszeiten
Dienstag-Sonntag, 11-17 Uhr
www.keramik-museum-buergel.de

Foto: © KMB


Bauhaus-Werkstatt-Museum Dornburg
Max Krehan-Straße 1
07774 Dornburg-Camburg

Öffnungszeiten
Donnerstag-Dienstag, 10-17 Uhr
www.bauhaus-keramik.de