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Churfranken gilt zu Recht als vielseitige Genussregion

Henneburg / Foto: © Stephanie Kreuzer

Per Bike zum Bogenschießen auf die Burg
von Stephanie Kreuzer

Das Gute kann manchmal wirklich sehr nah liegen, denn aus dem Rhein-Main-Gebiet ist die Gegend rund um Miltenberg – zwischen Spessart und Odenwald – nur einen Katzensprung entfernt. Entlang des Mains treffen hier quasi die drei Bundesländer Hessen, Bayern und Baden-Württemberg aufeinander, und entsprechend vielfältig ist auch die Landschaft: Weinberge, steile Hänge und Sandsteinformationen, Wälder und weite Ebenen, aber auch Streuobstwiesen und flache Strecken am Fluss entlang.

Die „Verwöhnregion“ ist jedenfalls für eine Reihe touristischer Sehenswürdigkeiten und lokal erzeugter Produkte bekannt. In erster Linie geht es natürlich um Wein, dem zu Ehren von April bis November zahlreiche Feste stattfinden. An den teils steilen Hängen rechts und links des Mains finden die Reben ideale Bedingungen. Etliche Winzer, ob mit Bioanbau oder konventionell, produzieren allerdings nicht nur diverse edle Tropfen, sondern nutzen ihre Räumlichkeiten auch als Hotel oder Häckerwirtschaft. Der Name dieser saisonal geöffneten Betriebe, anderswo auch bekannt unter „Strauß“- oder „Besenwirtschaft“, leitet sich aus der früheren Bezeichnung der fränkischen Weinbauern ab.
Hier geht es seit jeher locker und unkompliziert zu; man setzt sich einfach dazu, wo noch Platz ist, und für die Getränke wird auf einem Bierdeckel eine Strichliste geführt. Typische Gerichte sind beispielsweise Hand- oder Kochkäse.

Radfahren an Rebstöcken entlang

Derart gestärkt kann man sich getrost daran wagen, zumindest ein Teil des rund 600 Kilometer langen Mainradwegs, der immer in Sichtweite des Ufers und fast ausschließlich sehr flach verläuft, in Angriff zu nehmen – ob mit herkömmlichem Fahrrad oder modernem E-Bike. Das Radstreckennetz ist in der ganzen Region sowieso engmaschig ausgebaut, und auch die ambitionierteren Fahrer kommen auf ihre Kosten. Abwechslungsreiche und teils herausfordernde Mountainbike-Touren liegen eingebettet in einer durchweg beeindruckenden Landschaft. Eine spezielle Broschüre gibt Auskunft über Streckenführungen, Schwierigkeitsgrade, Erlebnisschwerpunkte an Burgen, Klöstern oder Schlössern sowie Einkehrmöglichkeiten.

Stephanie Kreuzer auf
dem Weg zur Henneburg / Foto: © Stephanie Kreuzer

Wer mit elektrischer Unterstützung unterwegs ist, wird sich über die rund 100 Ladestationen freuen, die das Projekt „Wald erFahren – Einfach E-Biken“ im Spessart flächendeckend bereitstellt. Dort können jeweils mehrere E-Bikes gleichzeitig schnell und kostenlos geladen werden, ein passendes Ladekabel – sofern es nicht mitgeführt wird – kann an vielen Stellen ausgeliehen werden. Um die Zeit des Ladens sinnvoll nutzen zu können, befinden sich die Ladestationen in der Nähe von Gaststätten oder Einkaufsmöglichkeiten. Sechs empfohlene Rundkurse zwischen 36 und 67 Kilometern Länge sind in der Broschüre „E-Bike-Touren Wald erFahren“ des Tourismusverbands Spessart-Mainland näher beschrieben. So führt beispielsweise die „Südspessart-Tour“ vorbei an einem Sandbadestrand und Biergarten in Dorfprozelten und der im 12. Jahrhundert erbauten Henneburg in Stadtprozelten. Von der frisch sanierten Burgruine, die etwa 100 Meter oberhalb des Mains thront und auf eigene Faust erkundet werden kann, bietet sich ein beeindruckender Rundumblick auf das Maintal

Wie Robin Hood auf der Pirsch

Und noch etwas zieht dort das Interesse vieler auf sich: der neueste Bogenparcours der Region, der ganzjährig geöffnet hat und frei zugänglich ist. Ausgehend vom Parkplatz an der Henneburg führt der etwa 4,5 Kilometer lange Rundweg durch Wald und Wiesen, und an 31 Stationen warten 100 3D-Tiere aus Gummi, auf die – selbstverständlich nur mit Pfeil und Bogen – geschossen werden kann. Wer also eine eigene Bogenausrüstung besitzt, kann direkt loslegen; die Anmeldung und das Bezahlen erfolgen auf Vertrauensbasis; Formular und Geld werden einfach in eine Box am Burgeingang geworfen. Nach vorheriger Absprache kann das nötige Equipment beim Betreiber geliehen werden, und natürlich gibt es auch Bogenkurse oder begleitete Parcoursrunden.

Gerade Anfänger sollten sich allerdings erstmal auf dem Einschießplatz im Burggraben mit der Technik der traditionellen Bögen vertraut machen. Körperspannung, stabiler Stand, Armhaltung und insbesondere der fokussierte Blick im Moment des Loslassens sind entscheidend, um den Pfeil einigermaßen dorthin zu bringen, wo er landen soll. Am Anfang landen viele noch ringsum im Gebüsch, aber von Mal zu Mal klappt es besser, und man kann es kaum erwarten, die neu erworbenen Kenntnisse auf dem Parcours anzuwenden. Dieser Sport, der sich für die ganze Familie eignet, hat definitiv Suchtpotenzial! In Churfranken gibt es im Umkreis von 20 Kilometern mittlerweile vier solcher Bogenparcours, in der sogenannten 3D-Bogenregion Mainfranken/Spessart/Odenwald sind es gar sieben innerhalb 60 Kilometer.

eiterer Anziehungspunkt kann auch der Fränkische Rotweinwanderweg sein, der durch historische Weinberge und über sechs Etappen führt. Die 79 Kilometer lange Strecke geht von der Winzergemeinde Großwallstadt über Großostheim, dem geschichtsträchtigen Klingenberg mit der sehenswerten Ruine der Clingenburg und alter Rotweintradition bis hin nach Bürgstadt, wo die Martinskapelle einen Abstecher wert ist. Nicht zu vergessen Miltenberg, in dessen engen Gassen nicht nur die Brauerei Faust, sondern auch der beeindruckende Fachwerkbau zu finden ist, der das älteste Gasthaus Deutschlands – „Zum Riesen – beherbergt. Zu überregionaler Berühmtheit hat es nicht zuletzt das „Schnatterloch“ gebracht – ursprünglich ein Entwässerungsgraben und Stadtgrenze. Das Besondere daran: Kaum, dass man vom geschäftigen und sonnenüberfluteten Marktplatz kommend ein paar Meter hochgelaufen ist und die schmale Pforte in der Stadtmauer durchschritten hat, steht man überraschenderweise mitten in einem schattigen Wald. Lärm und Trubel liegen schlagartig hinter einem, Vogelzwitschern ist zu hören, und ein wenig entrückt von Zeit und Raum geht es nun geruhsam hoch zur Burg Miltenberg.

Marktplatz in Miltenberg / Foto: © Stephanie Kreuzer

www.churfranken.de
www.mainradweg.com
www.walderfahren.de
www.stadtprozelten.de (Henneburg)
www.3d-bogenregion.de (Bogenparcours Stadtprozelten)
www.main-vinotel.de